Das Hypertext Transfer Protocol (HTTP) ist ein Satz von Standards, über den Menschen im Internet die Informationen einer Website austauschen. Seit seiner Einführung 1991 sind vier HTTP-Versionen entstanden.
HTTP/2 kam 2015 als große Überarbeitung des Protokolls HTTP/1.1 heraus und brachte deutliche Fortschritte beim Tempo. Es ging aus SPDY hervor, entwickelt vor allem für Seiten mit vielen Ressourcen: Es sollte die Ladegeschwindigkeit heben und die Umlaufzeit (RTT) senken.
Dieser Beitrag zeigt, warum das neue Protokoll nötig wurde, wie es sich von SPDY zu HTTP/2 entwickelt hat, worin es sich von HTTP/1.1 unterscheidet und wie ein CDN (Content Delivery Network) dabei hilft, Ihre Inhalte HTTP/2-tauglich zu machen. Sie können außerdem gleich hier testen, ob Ihre eigene Website HTTP/2 unterstützt.
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Websites, die über HTTP/2 laufen, stehen bei der SEO besser da, weil Tempo und Sicherheit für sie sprechen.
Von SPDY zu HTTP/2
HTTP/1.1 war die dritte HTTP-Version und über 15 Jahre lang der Standard. Es hob die Leistung durch dauerhafte Verbindungen und schuf die Grundlage für die Standardanfragen GET, HEAD, PUT und POST.
Je größer die Websites wurden und je mehr Ressourcen sie zogen, desto deutlicher traten die Grenzen von HTTP/1.1 hervor. Vor allem eines wog schwer: Pro TCP-Verbindung war nur eine offene Anfrage möglich, und dieser Zusatzaufwand bremste in 1.1 die Ladezeiten spürbar.
2010 stellte Google das Protokoll SPDY vor, um zu ändern, wie HTTP Anfragen und Antworten abwickelt. SPDY zielte auf weniger Verzögerung durch TCP-Pipelining und brachte Eigenschaften wie eine verpflichtende Komprimierung mit.
HTTP/2 baute anfangs auf SPDY auf, wurde aber rasch umgebaut, um eigene Eigenschaften aufzunehmen, etwa einen festen Algorithmus zur Komprimierung der Header. Danach kündigte Google an, SPDY fallen zu lassen und HTTP/2 zu unterstützen.
Die Unterschiede zwischen HTTP/1.1 und HTTP/2
Eigenschaft
HTTP/1.1
HTTP/2
Multiplexing
Nein – jede Anfrage braucht eine eigene TCP-Verbindung
Ja – mehrere Anfragen und Antworten gleichzeitig über eine einzige TCP-Verbindung
Header-Komprimierung
Nein – Header gehen als Klartext über die Leitung
HPACK verkleinert die Header um bis zu 80 %
Datenübertragung
Der Reihe nach und blockierend
Parallel und non-blocking
Server Push
Nein
Ja – der Server kann Ressourcen schicken, bevor der Client sie anfordert
Head-of-Line Blocking
Ja – eine neue Anfrage wartet, bis die vorige fertig ist
Nein – die Streams laufen unabhängig voneinander
Binäres Protokoll
ASCII-Format
Binärformat – effizienteres Parsing
Priorität der Streams
Nein
Ja – Sie können festlegen, was Vorrang hat
Sicherheit
TLS freiwillig
TLS als empfohlener Standard
Verbindungsverwaltung
Über Connection: keep-alive
Dauerhafte Verbindung als Voreinstellung
Leistung
Grundniveau
50 bis 70 % schnelleres Laden der Seite
Die Umstellung auf HTTP/2 und die Rolle des CDN
Als Google die Unterstützung für SPDY beendete, wurde der Wechsel zu HTTP/2 für Websites zur Pflicht, die ihre RTT senken und ihre Seiten schneller ausliefern wollten.
Der Wechsel zu HTTP/2 kann allerdings ein paar heikle Schritte enthalten:
HTTPS-Tauglichkeit: Die neue Erweiterung von TLS setzt voraus, dass eine Website zuerst HTTPS-tauglich gemacht wird.
Server-Upgrades: Alle Server müssen von HTTP/1.1 auf HTTP/2 gehoben werden. Das ist aufwendig und fehleranfällig.
Fehlerbereinigung: Fehler aus HTTP/1.1 können beim Wechsel auf HTTP/2 Ärger machen. Entwickler müssen dann neue Lösungen finden.
Hier machen CDNs die Sache leichter, weil sie sich als Vermittler zwischen Nutzer und Server stellen. Imperva CDN etwa macht Ihre Server automatisch HTTP/2-tauglich, ohne dass Sie von Hand etwas hochrüsten müssen.
Wenn Sie nur eine deutschsprachige Website mit Besuchern aus Deutschland haben, kann ein CDN eher bremsen als beschleunigen. Messen Sie die Wirkung deshalb vorher und nachher.
Ein Rechenbeispiel
Die Frage: Wie lange braucht der Server, um 100 Dateien mit 10 MB Gesamtgewicht an den Client zu übertragen? Bei den Zahlen dieses Beispiels hat uns ChatGPT geholfen.
Laden über HTTP/1.1
Eine eigene Anfrage pro Datei: Bei HTTP/1.1 kommt jede Datei über eine eigene TCP-Verbindung. Browser öffnen dafür meist 6 Verbindungen parallel.
Für 100 Dateien werden also laufend Verbindungen auf- und wieder abgebaut.
Der Aufbau der Verbindung (der TCP-Handschlag) und die Verzögerung (RTT) treiben die Ladezeit nach oben, je mehr Dateien es sind.
Langsamer Start: Jede TCP-Verbindung nutzt anfangs nur einen Teil der Bandbreite und wird erst mit der Zeit schneller. Auch das zieht die Ladezeit in die Länge.
Zusatzlast durch Header: Für jede Datei gehen eigene HTTP-Header über die Leitung, das vergrößert die Gesamtmenge an Daten.
Geschätzte Dauer
Verzögerung (RTT): ~50 ms (als Beispielwert angenommen).
Nach allem, was wir hier durchgegangen sind, hat HTTP/2 bei Tempo und Sicherheit sehr viel für sich. Auch für die Suchmaschinenoptimierung ist HTTP/2 deshalb die richtige Wahl.
Veröffentlicht: Aktualisiert: Türk SEM Akademie
Autor
Tahir Dinç
SEO-Fachmann · Gründer von Türk SEM
Ich habe 1999 mit dieser Arbeit begonnen und wurde 2004 Redakteur beim ODP. Heute betreue ich sehr viele große Unternehmen mit SEO und Google Ads. Zugleich führe ich als Vorsitzender der Türk SEM Group die Unternehmen innerhalb der Gruppe.